Medizin der Zukunft: Historische Persönlichkeiten unterwegs bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Was haben Rudolf Virchow, Maria Gräfin von Linden und Jane Goodall gemeinsam? Sie alle haben Wissenschaft geprägt, Grenzen überwunden und mit ihrer Arbeit weit über ihr eigenes Fachgebiet hinaus gewirkt. Bei der Langen Nacht der Wissenschaften an der Leopoldina waren sie in diesem Jahr als Walking Acts zu Gast – und brachten Wissenschaftsgeschichte direkt mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch.

Unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ schlüpften drei Schauspieler:innen in die Rollen historischer Mitglieder der Leopoldina. Statt auf einer Bühne aufzutreten, bewegten sie sich durch die Gäste, kamen mit ihnen ins Gespräch und erzählten auf unterhaltsame und niedrigschwellige Weise von ihrer Forschung, ihren Überzeugungen und ihrem Leben.

Walking Acts (v.l.n.r.): Maria Gräfin von Linden, Jane Goodall und Rudolf Virchow @Markus Scholz

Wissenschaftsgeschichte zum Anfassen

Maria Gräfin von Linden war eine Pionierin der Wissenschaft: Sie war die erste Frau, die an der Universität Tübingen studierte, und wurde 1910 als erste Frau in Preußen zur Titularprofessorin ernannt. Ihre Forschung beschäftigte sich unter anderem mit Parasiten, Bakterien und der Tuberkulose. Besonders bemerkenswert war ihre Entdeckung der antibakteriellen Wirkung von Kupferionen, die später auch für die Wundversorgung genutzt wurde. Trotz zahlreicher Hindernisse aufgrund ihres Geschlechts blieb sie ihrer wissenschaftlichen Arbeit über Jahrzehnte treu. Gräfin von Linden wurde 1902 Mitglied der Leopoldina.

Jane Goodall wurde durch ihre bahnbrechende Forschung über Schimpansen weltweit bekannt. Mit ihrer teilnehmenden Beobachtungsmethode gewann sie neue Erkenntnisse über das Verhalten der Tiere und zeigte unter anderem, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und benutzen. Später widmete sie sich zunehmend dem Natur- und Artenschutz und wurde zu einer international bekannten Botschafterin für den Schutz von Umwelt und Tieren. Goodall wurde 1990 Mitglied der Leopoldina.

Rudolf Virchow gilt als einer der Begründer der modernen Pathologie. Mit seiner Zellpathologie revolutionierte er im 19. Jahrhundert das Verständnis von Krankheiten. Gleichzeitig war Virchow davon überzeugt, dass Gesundheit nicht allein eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Frage ist. Als Politiker setzte er sich unter anderem für bessere Lebensbedingungen, eine funktionierende Gesundheitsversorgung und den Ausbau der sozialen Infrastruktur ein. 1852 wurde er als Mitglied in die Leopoldina aufgenommen.

 

Im Gespräch mit Virchow, von Linden und Goodall

Die historischen Persönlichkeiten blieben dabei nicht bei der Vermittlung von Fakten: Sie gingen aktiv auf die Besucherinnen und Besucher zu, beantworteten Fragen und luden dazu ein, selbst ins Gespräch zu kommen. Ergänzt wurde der Walking Act durch ein kurzweiliges Quiz, bei dem Groß und Klein ihr Wissen über die drei Persönlichkeiten und die Leopoldina testen konnten.

Die Idee der Walking Acts hat sich bei der Langen Nacht der Wissenschaften inzwischen etabliert. Bereits 2024 und 2025 waren historische Mitglieder der Leopoldina auf diese Weise unterwegs. In 2024 repräsentierten Marie Curie, Albert Einstein und Johann Wolfgang Goethe die Akademie und im Jahr 2025 wurden Charles Darwin, Lise Meitner und Michael Faraday dargestellt.

Der Leopoldina Akademie Freundeskreis macht Wissenschaftsgeschichte erlebbar

Ermöglicht wurde der Walking Act in diesem Jahr durch die Unterstützung des Leopoldina Akademie Freundeskreises e. V.. Der Freundeskreis fördert damit ein Format, das Wissenschaftskommunikation auf besondere Weise mit der Geschichte der Leopoldina verbindet.

Denn Wissenschaft lebt nicht nur von aktuellen Forschungsergebnissen, sondern auch von den Menschen, die mit ihren Ideen, ihrem Engagement und manchmal auch gegen erhebliche Widerstände neue Wege eröffnet haben. Die Walking Acts machten diese Geschichte bei der Langen Nacht der Wissenschaften auf unterhaltsame Weise sichtbar.