Bruno Parthier

Gedenkfeier für den Leopoldina-Altpräsidenten Benno Parthier

Dem herausragenden halleschen Molekularbiologen und Leopoldina-Altpräsidenten Prof. Dr. Dr. h.c. Benno Parthier (1932 – 2019) wurde am 23. Januar 2020 in einer würdigen Gedenkfeier gedacht. In seine Amtszeit als XXIV. Präsident (1990 – 2003) fiel die Restrukturierung der Akademie nach der deutschen Wiedervereinigung. Ihm gelang es, sie erfolgreich an die Gegebenheiten des gesamtdeutschen Wissenschaftssystems anzupassen und auf völlig neue Aufgaben vorzubereiten. Die vom Leopoldina-Präsidium gemeinsam mit dem Direktorium des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie IPB ausgerichtete Gedenkfeier würdigte seine Verdienste um die Leopoldina, sein wissenschaftspolitisches Engagement sowie sein wissenschaftliches Wirken zur Biochemie der Pflanzen. Der Leopoldina Akademie Freundeskreis e. V. (LAF) unterstützte die Feier finanziell und brachte sich aktiv ein, indem das LAF-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug, Generalsekretärin der Leopoldina, als Moderatorin durch die Feierstunde führte. Sie fand im Beisein seiner Familie und vieler Weggefährten statt und wurde in der Reihe Nova Acta Leopoldina Neue Folge, Supplementum Nr. 38 dokumentiert.

 

Gedenkfeier für Bruno Parthier

In seinem Grußwort würdigte der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff die wissenschaftspolitischen Verdienste Benno Parthiers, für die dieser 2018 mit dem Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt geehrt worden war.

Der XXVI. Leopoldina-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker (2010 – 2020) beschrieb die Herausforderungen, die vor Benno Parthier mit der Amtsübernahme 1990 lagen. Bei Parthiers Wahl 1989 war das Ende der DDR noch nicht absehbar gewesen. Er erinnerte an die wissenschaftlichen Verdienste Parthiers, die beim Botaniker Prof. Dr. Kurt Mothes in Halle begannen, ihn nach der Habilitation zum Leiter der Abteilung für Molekularbiologie am Institut für Biochemie der Pflanzen (IBP) in Halle werden ließ, bis er 1990 von den Mitarbeitenden des Instituts in einem demokratischen Prozess zu dessen Leiter gewählt wurde. Somit lagen ab 1990 gleich zwei große Herausforderungen vor ihm, die ehrenamtliche Leitung der Leopoldina und die hauptamtliche Leitung des IBP.

Die beiden nächsten Sprecher waren Benno Parthier im Rahmen der Aufgaben der Akademie eng verbunden gewesen. Der XXV. Leopoldina-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Volker ter Meulen (2003 – 2010), ein klinischer Virologe von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wurde zu Parthiers Amtszeit 1993 Mitglied des Präsidiums, war von 1999 bis 2003 dessen Vizepräsident, bevor er selbst die Präsidentschaft übernahm. Volker ter Meulen war bereits zu DDR-Zeiten Mitglied der Leopoldina geworden und konnte über den Transformationsprozess, der unter Benno Parthier vollzogen wurde, aus erster Hand berichten. In seiner eigenen Amtszeit erfolgte 2008 die Ernennung der Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ernst-Ludwig Winnacker, von 1995 bis 2005 Leopoldina-Vizepräsident, konnte seine Erfahrung als Direktor des Labors für Molekularbiologie am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1998 – 2006) für die Weiterentwicklung der Leopoldina nach der Wiedervereinigung einbringen. Er war der Familie Parthier jahrzehntelang eng verbunden und hielt bis zum Schluss engen Kontakt zu Benno Parthier.

Die ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt Halle Ingrid Häussler betonte in ihrer Ansprach die Verbundenheit der Stadt und ihrer Bürger zur Leopoldina. Für das Stadtmarketing war Halle als Sitz der Leopoldina ein wichtiges Pfund in der Phase des wirtschaftlichen Wandels nach 1990. Sie erinnerte an Benno Parthiers Interesse, nach 1990 Verbindungen in die Stadt hinein zu schaffen, die Leopoldina-Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und wissenschaftliche Netzwerke zu etablieren. Dies würdigte die Stadt Halle in ihrer Amtszeit 2002 durch die Vergabe des Ehrenbechers an Benno Parthier, neben der Ehrenbürgerschaft die zweithöchste Ehrung der Stadt.

Die ehemalige Oberbürgermeisterin der Leopoldina-Gründungsstadt Schweinfurt Gudrun Grieser betonte die tiefe Verbundenheit ihrer Stadt zur Leopoldina, die schon durch ihre Vorgänger vor allem nach der deutschen Teilung gepflegt worden war. Sie erinnerte an das 350-jährige Gründungsjubiläum der Leopoldina, das im Jahr 2002 in ihre Amtszeit fiel und im Januar in Schweinfurt und später im Jahr in Halle gefeiert wurde. Sie selbst war regelmäßiger Gast der Leopoldina-Jahresversammlungen in Halle und sorgte dafür, dass Leopoldina-Symposien und gemeinsame Ausstellungsprojekte zur Früh- und Wissenschaftsgeschichte in Schweinfurt gerne gesehen wurden. Für ihre besonderen

Verdienste wurde Gudrun Grieser 1999 zum Ehrenförderer der Leopoldina ernannt.

Auch der Vizepräsident der Leopoldina Prof. Dr. Dr. Gunnar Berg erinnerte an die wissenschaftlichen Verdienste Benno Parthiers. Dieser hatte 1990 das Institut der Biochemie der Pflanzen (IBP) übernommen und wurde 1991 Gründungsdirektor des dann umbenannten Instituts der Pflanzenbiochemie (IPB). Das IBP ging auf Parthiers akademischen Lehrer Kurt Mothes, den XXII. Leopoldina-Präsidenten (1954- 1974) zurück, der 1958 in Halle die Arbeitsstelle Biochemie der Pflanzen gründet hatte. In Gunnar Bergs Zeit als Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1992 – 1996) fiel die Ernennung Parthiers zum Professor für Zellbiochemie an der Martin-Luther-Universität, eine Berufung, die dem charakterfesten Parthier zu DDR-Zeiten nicht vergönnt war.

Prof. Dr. Steffen Abel, seit 2017 Geschäftsführender Direktor des IPB, reflektierte Benno Parthiers Verdienste um das IBP und IPB aus Sicht eines ehemaligen Hallenser Studenten und Doktoranden der Biochemie, der Benno Parthiers Wirken schon zu DDR-Zeiten erlebt hatte. Abel hatte nach der Wiedervereinigung, finanziert durch den Boehringer Ingelheim Fonds, als erster Stipendiat aus den neuen Bundesländern ab 1991 die Möglichkeit, als Postdoktorand an das Plant Gene Expression Center der University of California nach Berkeley, USA, zu wechseln. Aus den USA kehrte er 2009 nach seiner Tätigkeit als Full Professor am Department of Plant Sciences der University of California in Davis, USA, als Universitätsprofessor für Pflanzliche Biochemie an die Martin-Luther-Universität zurück und übernahm zugleich die Leitung der Abteilung Molekulare Signalverarbeitung am IPB. Für Steffen Abel war Parthier „ein begeisternder Wissenschaftler mit Vorbildwirkung, eine couragierte, stand- und prinzipienfeste Persönlichkeit“, etwas ganz Besonderes. Auch Dierk Scheel, Professor für Entwicklungsbiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der 1998 die Geschäftsführung des IPB von Benno Parthier übernahm, würdigte seinen Vorgänger als einen außergewöhnlichen Wissenschaftler und Menschen.

Die persönlichen Erinnerungen zweier ehemaliger Mitarbeiter Parthiers, Frau Professorin Dr. Dr. Bettina Hause und Professor Dr. Claus Wasternack, bildeten den Abschluss der Redebeiträge. Beide sind promovierte Biochemiker und waren Benno Parthier über viele Jahre am IBP wissenschaftlich eng verbunden. Bettina Hause meinte in ihrer Rede „Herr Benno Parthier hat mein wissenschaftliches Leben, ja meine wissenschaftliche Karriere maßgeblich beeinflusst.“ Das in der Parthierschen

Arbeitsgruppe untersuchte Pflanzenhormon Jasmonsäure und die Jasmonsäure-induzierten Proteine (JIPs) wurden auch ihr Arbeitsgebiet. Sie hat ihn als „Lehrer, Mentor und Förderer“ erlebt. Claus Wasternack fragte Benno Parthier im Herbst 1989, ob er seine Jasmonatarbeitsgruppe am IBP leiten wolle, „nachdem er [Parthier] als Institutsdirektor und Leopoldina-Präsident designiert war. Ich wollte, denn die Jasmonatarbeiten waren am Institut, national und international gerade am Anfang einer exponentiell wachsenden Erfolgskurve, an der wir in den folgenden Jahren zum Glück, stets Anteil haben konnten.“

Die Gedenkfeier wurde in sehr professioneller Weise musikalisch eingerahmt. Zu Beginn spielte der Pianist Matthias Kirschnereit, einer der erfolgreichsten Pianisten seiner Generation, von der Süddeutschen Zeitung als „Poet am Klavier“ gefeiert, Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel. Den Abschluss bildete Beethovens Streichquartett op. 74 es-Dur „Harfenquartett“ intoniert von einer der profiliertesten europäischen Formationen, dem Klenke Quartett aus Weimar.